Wie viel Leistung der Heizkörper bringen muss
Ein Heizkörper wird über drei Zahlen ausgelegt. Die erste ist die Heizlast des Raumes in Watt. Die zweite ist die Vorlauftemperatur, mit der die Anlage später fährt. Die dritte ist der Umrechnungsfaktor auf die Normleistung aus dem Katalog.
Gerechnet wird so: Raumheizlast geteilt durch den Faktor ergibt die nötige Normleistung. Für 55/45/20 liegt der Faktor bei 0,51, für 45/35/20 bei 0,30. Ein Wohnzimmer mit 1.800 Watt Heizlast braucht bei 55 Grad Vorlauf also einen Heizkörper mit 3.530 Watt Normleistung.
Diese 3.530 Watt lassen sich direkt in Baulänge umrechnen. Ein Typ 33 mit 600 Millimetern Bauhöhe liefert nach Norm 1.900 Watt je Meter, gebraucht werden also 1,86 Meter. Ein Typ 22 derselben Höhe liefert 1.380 Watt je Meter und käme auf 2,56 Meter. Reicht die Wand unter dem Fenster dafür nicht, verteilen wir die Leistung auf zwei Heizkörper.
Die Normleistung nach DIN EN 442
Jeder Hersteller gibt die Leistung seiner Heizkörper nach DIN EN 442 an. Gemessen wird bei 75 Grad Vorlauf, 65 Grad Rücklauf und 20 Grad Raumtemperatur. Daraus ergibt sich eine mittlere logarithmische Übertemperatur von 49,8 Kelvin. In Datenblättern steht dafür oft die Kurzform ΔT 50.
Fährt die Anlage kühler, sinkt diese Übertemperatur und mit ihr die Leistung. Der Zusammenhang ist nicht linear. Er folgt einem Exponenten, der bei Plattenheizkörpern bei rund 1,3 liegt. Deshalb bleibt bei 55/45/20 etwa die Hälfte der Normleistung übrig und bei 45/35/20 knapp ein Drittel.
| Auslegung Vorlauf/Rücklauf/Raum | mittlere Übertemperatur | Faktor auf die Normleistung |
|---|---|---|
| 75/65/20 | 49,8 K | 1,00 |
| 70/55/20 | 42,1 K | 0,80 |
| 60/50/20 | 34,8 K | 0,63 |
| 55/45/20 | 29,7 K | 0,51 |
| 50/40/20 | 24,7 K | 0,40 |
| 45/35/20 | 19,6 K | 0,30 |
| 40/30/20 | 14,4 K | 0,20 |
Die rechte Spalte ist die ganze Umrechnung. Normleistung mal Faktor ergibt die Leistung im Betrieb, Heizlast geteilt durch Faktor ergibt die nötige Normleistung. Eine Wärmepumpe, die mit 55 Grad Vorlauf fährt, arbeitet ruhig und sparsam, wenn jeder Raum diese Fläche hat.
Was Typ 11, Typ 22 und Typ 33 unterscheidet
Die Typenzahl beschreibt den Aufbau. Vorn steht, wie viele wasserführende Platten im Gerät stecken. Hinten steht, wie viele Konvektorbleche zwischen ihnen sitzen. Aus der 11 werden so eine Platte und ein Blech, aus der 22 zwei und zwei, aus der 33 drei und drei.
Mit jeder Platte wächst die Bautiefe. Typ 11 baut je nach Hersteller rund 60 Millimeter tief, Typ 22 etwa 100 und Typ 33 rund 155 Millimeter. In derselben Nische und bei gleicher Länge liefert ein Typ 33 gut das Zweieinhalbfache eines Typ 11.
Die Konvektorbleche geben ihre Wärme an die Luft ab, die zwischen den Platten aufsteigt. Der Strahlungsanteil sitzt vor allem in der vorderen Platte. Ein Typ 11 strahlt also mehr, ein Typ 33 arbeitet stärker über die Luft. Für die Auslegung zählt zuerst die Summe aus beidem.
Tabelle: Leistung je Typ, Bauhöhe und Baulänge
Die Werte unten sind übliche Katalogwerte für Kompaktheizkörper, bezogen auf einen Meter Baulänge. Die Angaben der Hersteller streuen erfahrungsgemäß um fünf Prozent nach oben und unten.
| Typ | Bauhöhe | Baulänge | 75/65/20 | 55/45/20 | 45/35/20 |
|---|---|---|---|---|---|
| 11 | 300 mm | 1,00 m | 430 W | 220 W | 130 W |
| 11 | 600 mm | 1,00 m | 750 W | 380 W | 225 W |
| 11 | 900 mm | 1,00 m | 1.060 W | 540 W | 320 W |
| 22 | 300 mm | 1,00 m | 790 W | 400 W | 240 W |
| 22 | 600 mm | 1,00 m | 1.380 W | 700 W | 415 W |
| 22 | 900 mm | 1,00 m | 1.930 W | 985 W | 580 W |
| 33 | 300 mm | 1,00 m | 1.120 W | 570 W | 335 W |
| 33 | 600 mm | 1,00 m | 1.900 W | 970 W | 570 W |
| 33 | 900 mm | 1,00 m | 2.650 W | 1.350 W | 795 W |
Für andere Längen wird linear weitergerechnet. Ein Typ 22 mit 600 Millimetern Höhe und 1,40 Metern Länge bringt bei 55/45/20 also rund 980 Watt. Die Bauhöhe ist dabei das Außenmaß des Geräts, die Baulänge das Maß über alles.
Wann der vorhandene Heizkörper bleibt
Viele Berliner Wohnungen tragen heute mehr Heizfläche, als sie brauchen. Die Körper wurden für 90/70 ausgelegt, danach kamen neue Fenster und eine gedämmte oberste Geschossdecke. Die Heizlast ist gesunken, die Fläche an der Wand ist geblieben.
Der Beweis ist ein Test im Winter. Stellen Sie den Vorlauf am Kessel auf 55 Grad und öffnen Sie alle Thermostatventile ganz. Wird es an einem kalten Tag in jedem Zimmer warm, trägt die vorhandene Fläche auch eine niedrigere Vorlauftemperatur. Ausführlich steht der Ablauf dort, wo wir den 55-Grad-Test im Gründerzeithaus Schritt für Schritt durchgegangen sind.
Bleibt ein Raum kühl, wird genau dieser Raum nachgerechnet. Meist sind es ein oder zwei Zimmer im ganzen Haus: das Wohnzimmer mit zwei Außenwänden, der Raum über der Durchfahrt, das Zimmer unter der Dachschräge. Erfahrungsgemäß werden in teilsanierten Berliner Häusern ein bis drei von zehn Heizkörpern getauscht.
Dafür braucht es die Heizlast je Raum, nicht die Summe für das Haus. Sie kommt aus der raumweisen Rechnung nach DIN EN 12831, die für jedes Zimmer Bauteile, Fenster und Lüftung einzeln ansetzt. Ein Kennwert je Quadratmeter ordnet ein, mehr nicht.
Drei Räume durchgerechnet
Das Beispiel ist eine Altbauwohnung mit 96 Quadratmetern, Fenster im Jahr 2012 erneuert, Decke zum Dachboden gedämmt. Der Kessel soll gegen eine Wärmepumpe mit 55 Grad Vorlauf getauscht werden. Die Heizlast liegt bei 72 Watt je Quadratmeter, im Eckraum bei 90.
| Raum | Fläche | Heizlast | heute verbaut | Leistung heute | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Wohnzimmer, zwei Fensterachsen | 28 m² | 2.520 W | 2 × Typ 11, 600 mm, 1,40 m | 1.060 W | 2 × Typ 33, 600 mm, 1,40 m mit 2.720 W |
| Schlafzimmer | 16 m² | 1.150 W | Typ 22, 600 mm, 1,20 m | 840 W | Typ 33 in gleicher Länge mit 1.160 W |
| Küche mit Außenwand | 11 m² | 790 W | Typ 22, 600 mm, 1,20 m | 840 W | bleibt hängen |
Zwei Heizkörper wachsen also, einer bleibt. Im Wohnzimmer bleibt die Baulänge gleich, weil die zweite Fensterachse schon einen Körper hat. Im Schlafzimmer wächst nur die Bautiefe von 100 auf 155 Millimeter. Die Rohre und die Wandhalter werden in beiden Räumen weiterverwendet.
Ventile, Verschraubung und Anschlussart
Kompaktheizkörper haben vier seitliche Muffen mit einem halben Zoll. Angeschlossen werden sie über ein Thermostatventil im Vorlauf und eine Rücklaufverschraubung. Die Verschraubung sperrt den Körper ab, sodass er ohne Entleeren der Anlage abgenommen werden kann.
Ventilheizkörper tragen den Ventileinsatz bereits im Gerät. Ihr Anschluss liegt unten, mit 50 Millimetern Achsabstand zwischen Vorlauf und Rücklauf. Der Anschluss erfolgt über einen H-Block in Eck- oder Durchgangsform. Dieses Maß ist der Grund, warum ein neuer Körper an alte Rohre oft ohne Stemmarbeit passt.
Der Ventileinsatz ist voreinstellbar. Über die Voreinstellung bekommt jeder Heizkörper die Wassermenge, die zu seiner Leistung gehört, und das ist der hydraulische Abgleich nach Verfahren B. Bei niedrigen Vorlauftemperaturen fließt mehr Wasser durch jeden Körper. Ventil, Verschraubung und Anbindeleitung werden dann eine Nummer größer gewählt, damit die Menge leise durchgeht.
Die Anschlussart entscheidet über einen Teil der Leistung. Bis etwa 1,80 Meter Baulänge reicht der einseitige Anschluss oben und unten. Darüber wird wechselseitig angeschlossen, also Vorlauf oben links und Rücklauf unten rechts. Thermostatköpfe mit kleiner Regelabweichung passen gut zu niedrigen Vorlauftemperaturen, weil sie früher schließen und weniger überschwingen.
Altbau: hohe Fenster, flache Nische unter der Brüstung
Im Gründerzeitbau sind die Fenster hoch und die Brüstung ist niedrig. Gemessen wird von der Oberkante Fußboden bis zur Unterkante Fensterbank. In Altbauwohnungen in Kreuzberg, in Charlottenburg oder am Helmholtzplatz sind das meist 85 bis 95 Zentimeter. Nach Abzug von zehn Zentimetern Bodenabstand und einer Handbreit unter der Bank bleibt eine Bauhöhe von 600 Millimetern.
Die Breite gibt das Fenster vor. Ein zweiflügeliges Altbaufenster ist 1,20 bis 1,60 Meter breit, und der Heizkörper sollte diese Breite möglichst ausfüllen. Dann steigt die warme Luft vor der ganzen Scheibe auf und der Raum wird bis zur Fensterbank gleichmäßig warm. Ein Typ 33 mit 600 Millimetern Höhe und 1,40 Metern Länge liefert dort bei 55/45/20 rund 1.360 Watt.
Die Nische unter dem Fenster misst im Altbau meist 120 bis 140 Millimeter in der Tiefe. Ein Typ 33 mit 155 Millimetern Bautiefe steht deshalb ein Stück vor der Wand. Bei Kastenfenstern mit tiefer Laibung geht dagegen auch ein tiefes Gerät sauber in die Nische. Wo Stuck oder eine Holzverkleidung im Weg ist, setzen wir den Körper frei vor die Brüstung und führen die Anbindung im Sockel.
Das Berliner Zimmer mit seinem einen Fenster zum Hof ist der Sonderfall. Es ist groß, hat eine lange Außenwand und wenig Fensterfläche für Heizkörper. Dort teilen wir die Leistung auf einen Körper unter dem Fenster und einen zweiten an der Außenwand daneben auf.
Platte: schmale Nische, begrenzte Bautiefe
In der Platte in Marzahn, in Hellersdorf und in Lichtenberg sitzt der Heizkörper in einer gemauerten oder eingeformten Nische unter dem Fenster. Diese Nische ist erfahrungsgemäß 100 bis 120 Zentimeter breit und 110 bis 130 Millimeter tief. Ein Typ 22 mit 100 Millimetern verschwindet darin vollständig.
Weil die Breite feststeht, wird die Leistung über die Höhe geholt. Ein Typ 22 mit 900 Millimetern Bauhöhe und 1,10 Metern Länge bringt bei 55/45/20 rund 1.080 Watt. Das deckt ein Zimmer von 18 Quadratmetern im sanierten Plattenbau ab. Die Fensterbank liegt dort meist hoch genug, dass die 900 Millimeter darunter passen.
Viele dieser Häuser hängen an der Fernwärme, und die Heizkörper sind in Einrohrsträngen verbunden. Im Einrohrstrang sinkt die Temperatur von Körper zu Körper, weil jeder dem Strang Wärme entnimmt. Die letzte Wohnung im Strang bekommt deshalb rechnerisch mehr Fläche als die erste. Das Aufmaß im Strang zeigt, welche Wohnung das ist.
Was wir dabei machen
Beim Aufmaß nehmen wir jeden Heizkörper einzeln auf: Typ, Bauhöhe, Baulänge, Bautiefe, Anschlussart und das Nischenmaß. Die Plattenzahl zählen wir von der Seite, die Konvektorbleche sind von oben durch das Gitter zu sehen. Fotos mit einem Zollstock im Bild helfen schon vor dem Termin.
Daraus wird eine Liste je Raum: Heizlast, vorhandene Leistung bei der geplanten Vorlauftemperatur, Ergebnis. Diese Liste liegt dem Angebot bei, zusammen mit der Voreinstellung je Ventil. Beim Einbau einer Wärmepumpe gehören neue Heizkörper nach heutigem Stand zu deren förderfähigen Kosten. Welche Anlagen wir sonst einbauen, zeigt die Übersicht über die Heizungen, die wir in Berlin bauen.
Der Austausch der Körper läuft im Tausch der ganzen Anlage mit. Die Heizung steht dabei erfahrungsgemäß zwei bis drei Arbeitstage still, und die Körper kommen an den Tagen an die Wand, an denen ohnehin das Wasser abgelassen ist.
Wofür ein anderer Betrieb zuständig ist
Wir bauen Heizungen neu und tauschen alte, und wir kümmern uns um die Anlagen, die wir selbst aufgebaut haben. Ein tropfendes Ventil an einer fremden Anlage gehört zu dem Betrieb, der ihre Hydraulik und Regelung kennt. Nachts oder am Wochenende ist der Notdienst die richtige Nummer. Wird beim Tausch eine Wand geöffnet oder eine Nische vergrößert, ist das Arbeit für den Maurer.
Sagen Sie uns die Maße unter dem Fenster
Messen Sie an einem Heizkörper Höhe, Länge und Tiefe und zählen Sie die Platten von der Seite. Mit dem Baujahr und der Wohnfläche dazu sagen wir Ihnen am Telefon, ob Ihre Fläche 55 Grad Vorlauf trägt. Für diese drei Maße genügt ein Anruf unter 030 2192 8018, werktags zwischen 7 und 17 Uhr. Sie können sie auch über das Formular unten auf der Seite schicken, gern mit einem Foto vom Heizkörper.
