Was eine neue Heizung in Kreuzberg bedeutet
Im Wrangelkiez, im Reichenberger Kiez und im Graefekiez heißt neue Heizung meist: Die Gastherme in der Küche ist 25 bis 30 Jahre alt, die Abgaswerte sind an der Grenze, und das Haus hat noch 15 davon. In Kreuzberg 61, um den Chamissoplatz und in Riehmers Hofgarten, heißt es: Das Haus steht unter Schutz, die Heizung ist zentral oder soll es werden, und die Außeneinheit braucht einen Ort, der nicht an der Fassade liegt. In den IBA-Bauten an der Ritterstraße, an der Kochstraße und am Fraenkelufer heißt es: Der Gaskessel von 1988 hat einen Nachfolger von 2005 bekommen, und der ist jetzt auch am Ende.
Dazu kommen Genossenschaften und Hausgemeinschaften, die für 20 oder 40 Wohnungen auf einmal entscheiden, und Gewerbehöfe mit Werkstätten, Büros und Wohnungen an einem Kessel. Für jede dieser Lagen gibt es in Kreuzberg eine andere Antwort, und keine davon lässt sich vom Schreibtisch aus geben, weil der Hof sie mitbestimmt.
Was wir uns im Hof und im Keller ansehen
Der erste Termin kostet Sie nichts und dauert eine bis anderthalb Stunden. Wir sehen uns die vorhandene Anlage an, die Schornsteinzüge, die Elektroverteilung, die Heizkörper und die Warmwasserbereitung. In einem Mehrfamilienhaus kommen der Keller dazu, der Hof mit seinen Maßen und Fenstern, der Durchgang vom Vorderhaus und das Dach. Die Heizlast schätzen wir aus Baujahr, Fläche und Verbrauch, und wir prüfen, ob das Haus im Fernwärme-, Gas- oder Wärmepumpen-Eignungsgebiet der Berliner Wärmeplanung liegt.
Wenn wir gehen, wissen Sie, welche Systeme in Ihrem Haus infrage kommen, wo eine Außeneinheit stehen könnte und was nach heutigem Stand an Zuschuss möglich ist. Das Angebot bekommen Sie schriftlich, mit festem Preis und der Förderung so gerechnet, wie sie für Ihr Haus gilt, in der Regel innerhalb einer Woche.
Drei Ausgangslagen aus dem Kreuzberger Bestand
Die erste ist ein Blockrandhaus in der Wrangelstraße, Gründerzeit, Vorderhaus, Seitenflügel und Quergebäude um einen Hof von acht mal zwölf Metern. In allen 18 Wohnungen hängen Gasthermen von 1994 bis 1997, die Züge sind gemauert, und die Hausgemeinschaft hat gerade den dritten Ausfall in zwei Jahren erlebt. Der einzelne Thermentausch ist in ein bis zwei Tagen erledigt. Die Zentralisierung mit einer Kaskade im Hof ist eine Frage von Schall, Statik und Beschluss, und sie steht mit dem ersten Tausch auf der Tagesordnung.
Die zweite ist ein IBA-Wohnhaus an der Ritterstraße, Baujahr 1986, mit einer Gaszentralheizung im Keller, die 2005 gegen einen Brennwertkessel getauscht wurde. Die Heizkörper sind großzügig, der Hof ist begrünt und gehört zum Block, das Flachdach trägt. Hier ist die Wärmepumpe als Kaskade auf dem Dach oder im Hof die naheliegende Lösung, und der Kessel bleibt allenfalls als Spitzenlast in einer Hybridanlage.
Die dritte ist ein Gewerbehof zwischen Moritzplatz und Prinzenstraße, mit Werkstätten im Erdgeschoss, Büros in den Obergeschossen und Wohnungen im Seitenflügel, alle an einem Gaskessel von 1999 mit 250 Kilowatt. Der Lastgang ist ungleich, tagsüber die Werkstätten, abends die Wohnungen. Die Antwort ist meist eine Hybridanlage nach Heizlast und Objekt, mit Wärmepumpe für die Grundlast und Gas für die Spitzen, wie wir sie auch für andere Gewerbeobjekte in Berlin auslegen.
Warum der Bestand in Kreuzberg so aussieht
Kreuzberg wurde zwischen 1870 und 1914 als Mietskasernenstadt bebaut, mit Vorderhaus, Seitenflügeln und Quergebäuden um enge Höfe, in denen früher Werkstätten standen. Der Krieg traf SO 36 und die Südliche Friedrichstadt schwer, Kreuzberg 61 blieb weitgehend stehen. In den siebziger Jahren sollten ganze Blöcke abgerissen werden, und aus dem Widerstand dagegen entstand die behutsame Stadterneuerung der Internationalen Bauausstellung 1984 und 1987. Altbauten wurden saniert statt abgerissen, und auf den Brachen der Südlichen Friedrichstadt entstanden Neubauten von Architekten aus aller Welt, an der Ritterstraße, an der Kochstraße, am Fraenkelufer und am Lützowplatz.
Die Altbauten bekamen ihre Heizungen in der Sanierungswelle der neunziger Jahre. Weil eine Zentralheizung im bewohnten Haus aufwendig war, wurde es fast überall die Gastherme in der Wohnung, am Gasnetz der GASAG, das heute die NBB betreibt. Viele Häuser gingen in dieser Zeit an Genossenschaften und Hausgemeinschaften über, die heute als Gemeinschaft entscheiden. Am Mehringplatz, am Kottbusser Tor und in Teilen der Südlichen Friedrichstadt entstanden in den sechziger und siebziger Jahren Großbauten mit Fernwärmeanschluss, die bis heute Fernwärmeinseln im sonst gasversorgten Bezirk bilden.
Technik vor Ort: der Hof entscheidet
Fernwärme und Gasnetz
Kreuzberg liegt überwiegend am Gasnetz, mit Fernwärme der BEW am Mehringplatz, am Kottbusser Tor, in der Südlichen Friedrichstadt und entlang der Grenze zu Mitte. Die Wärmeplanung des Landes weist die Blockrandgebiete überwiegend als Gebiete aus, in denen Wärmepumpen und Gebäudenetze in Betracht kommen, die Fernwärmeinseln als Fernwärme-Eignungsgebiete. Wer im Fernwärmegebiet baut, arbeitet an der Hausanlage hinter der Übergabestation.
Aufstellort und Außeneinheit
Der Kreuzberger Hof ist die Aufgabe. Eine Außeneinheit braucht drei Meter Abstand zur Grundstücksgrenze und einen Schallpegel, der nachts 40 dB(A) in allgemeinen und 35 dB(A) in reinen Wohngebieten am nächsten Nachbarfenster einhält. In einem Hof mit vier Wänden kommen 3 bis 6 dB Reflexion hinzu, und die Schlafzimmer der Seitenflügel liegen oft nur sechs Meter entfernt. Deshalb rechnen wir vor dem Angebot mit dem Schallrechner, wählen ein Gerät mit Nachtmodus und planen Schallhaube, Abstand oder die Aufstellung auf dem Dach, wo die Statik es hergibt. Wie eine Wärmepumpe im Gründerzeithaus mit den vorhandenen Heizkörpern zurechtkommt, ist die zweite Frage, die wir dabei gleich mitprüfen.
Denkmalschutz
Der Chamissokiez, die Blöcke um den Bergmannkiez, Riehmers Hofgarten, die Luisenstadt am Landwehrkanal und viele IBA-Bauten stehen unter Denkmal- oder Erhaltungsschutz. Die Straßenfassade ist tabu, der Hof, das Dach und die Rückseite des Seitenflügels sind meist möglich. Die Abstimmung mit der Denkmalbehörde dauert vier bis acht Wochen und gehört zu unserem Angebot.
Schornstein
Die gemauerten Züge vertragen Brennwerttechnik nur mit eingezogenem Abgasrohr, und bei 18 Thermen sind das 18 Rohre, jedes vom bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abgenommen. Bei einer Zentralisierung auf Wärmepumpe werden die Feuerstätten abgemeldet, und die Züge bleiben frei oder nehmen die Steigstränge auf.
Elektroanschluss
Die Hausanschlüsse der Gründerzeithäuser stammen oft aus den sechziger Jahren. Für eine Kaskade muss Stromnetz Berlin sie verstärken, was Wochen dauert und deshalb als Erstes angestoßen wird. Die Wärmepumpe selbst melden wir beim Netzbetreiber an, was ab 4,2 Kilowatt vorgeschrieben ist, und lassen sie als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG führen. Das senkt das Netzentgelt für den Wärmepumpenstrom.
Warmwasser
Die Therme macht das Warmwasser im Durchlauf, und bei einer Zentralisierung bleibt es meist dezentral, weil 18 neue Warmwasser- und Zirkulationsleitungen durch die Züge teurer wären als 18 Durchlauferhitzer und die Wärmepumpe so mit 45 bis 50 Grad Vorlauf laufen kann. In den Fernwärmehäusern und Gewerbehöfen ist das Warmwasser eine Großanlage nach Trinkwasserverordnung mit 60-Grad-Pflicht.
Welche Systeme in Kreuzberg sinnvoll sind
Der Thermentausch eins zu eins ist nach heutigem Stand weiter möglich und die schnellste Lösung beim Ausfall. Er ist nicht förderfähig, und vor dem Einbau steht eine Beratung zur 65-Prozent-Regel, die im Haus mit Etagenheizungen die Frist für die Entscheidung über die Zentralisierung auslöst. Hausgemeinschaften, die diese Entscheidung ohnehin treffen wollen, planen stattdessen eine Wärmepumpen-Kaskade im Hof oder auf dem Dach, mit dezentralem Warmwasser. Was in einem Haus mit 18 Wohnungen dabei anders läuft als im Einfamilienhaus, betrifft vor allem Beschluss, Förderdeckel und Bauzeit.
Für die IBA-Bauten und andere Zentralheizungen ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die erste Wahl, wo Hof oder Dach es hergeben, und die Hybridheizung dort, wo die Heizkörper hohe Vorlauftemperaturen brauchen oder der Lastgang eines Gewerbehofs Spitzen hat. Die Erdwärmepumpe scheidet in Kreuzberg fast immer aus, weil kein Hof Platz für Bohrungen hat. Pellets scheiden wegen Lager und Anlieferung aus. Solarthermie ist auf den Flachdächern der IBA-Bauten eine Ergänzung für das Warmwasser.
Was eine Heizung in Kreuzberg kostet
Drei Zeilen decken den Kreuzberger Bestand ab: die Therme in der Etagenwohnung, die Wärmepumpe für das einzelne Stadthaus und die Hybridanlage für das Haus mit alten Heizkörpern oder ungleichem Lastgang. Die vierte Zeile gehört den Blockrandhäusern und Gewerbehöfen, für die es keine Spanne gibt.
| Anlage | Eingebaut, brutto | Bauzeit |
|---|---|---|
| Gastherme, Tausch 1:1 mit Abgasrohr | 4.500–8.500 € | 1–2 Arbeitstage |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe, Stadthaus oder kleines Mehrfamilienhaus | 25.000–45.000 € | 3–5 Arbeitstage |
| Hybrid aus Gas-Brennwert und Wärmepumpe | 30.000–50.000 € | 4–6 Arbeitstage |
| Kaskade im Blockrandhaus, Genossenschaft, Gewerbehof | nach Heizlast und Objekt | nach Objekt |
Die Spannen sind Erfahrungswerte. Ob ein Stadthaus am unteren oder oberen Ende landet, entscheiden in Kreuzberg der Zustand der Züge, die Schallmaßnahmen im Hof und die Frage, ob der Kran über das Vorderhaus muss. Was sonst noch an Kosten einer neuen Heizung zieht, haben wir auf einer eigenen Seite Position für Position aufgeschlüsselt.
Förderung, mit Vorbehalt
Für Wärmepumpe, Pellet und Solarthermie gilt nach heutigem Stand die Grundförderung von 30 Prozent, dazu 20 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus beim Austausch einer funktionsfähigen Gasheizung ab 20 Jahren für selbstnutzende Eigentümer, 30 Prozent Einkommensbonus bis 40.000 Euro Haushaltseinkommen und 5 Prozent Effizienzbonus bei natürlichem Kältemittel, gedeckelt auf 70 Prozent. Die förderfähigen Kosten liegen bei 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, 15.000 Euro für die zweite bis sechste und 8.000 Euro ab der siebten, was bei einem Haus mit 18 Wohnungen 201.000 Euro ergibt. Gasthermen sind nicht förderfähig.
Der Antrag geht vor dem Auftrag an die KfW. Welche Sätze im Jahr Ihres Antrags noch gelten, prüfen wir, bevor Sie unterschreiben, und die Regeln im Einzelnen, auch für die Gemeinschaft mit 18 Einheiten, stehen auf der Seite zur Heizungsförderung.
Die Baustelle im Haus
Die Therme geht durchs Treppenhaus, die alte kommt denselben Weg zurück, und die Wohnung ist einen Tag ohne Heizung. Die Außeneinheit einer Kaskade kommt durch die Hofdurchfahrt, sofern es eine gibt, sonst über den Hausflur bei 90 Zentimetern Türbreite oder mit einem Kran über das Vorderhaus. Der Kran braucht in Kreuzberg eine Straßensperrung und eine Halteverbotszone, die wir beantragen und deren Kosten im Angebot stehen. Auf das Dach geht es ebenfalls mit dem Kran.
In der Genossenschaft, der Hausgemeinschaft oder der Eigentümergemeinschaft klären wir vorher mit Vorstand oder Verwaltung, was beschlossen sein muss, und stellen das Angebot so, dass die Versammlung damit arbeiten kann. Welche Mehrheiten eine Eigentümergemeinschaft dafür braucht und was der Beschluss enthalten sollte, haben wir gesondert beschrieben. Die lauten Tage kündigen wir im Haus an.
Ablauf und Zeitplan in Arbeitstagen
Nach dem Vor-Ort-Termin kommt das Angebot innerhalb einer Woche. Nach Ihrer Zusage wird der Förderantrag gestellt, sofern die Anlage förderfähig ist, und der Vertrag steht unter der Bedingung der Zusage. Dann Bestellung, Anmeldung beim Netzbetreiber, Abstimmung mit Schornsteinfeger und gegebenenfalls Denkmalbehörde.
Der Einbau: Gastherme ein bis zwei Arbeitstage, Brennwertkessel zwei bis drei, Wärmepumpe im Stadthaus drei bis fünf, Hybrid vier bis sechs, Kaskade im Blockrandhaus nach Objekt, meist zwei bis vier Wochen mit Strangarbeiten. Am letzten Tag nehmen wir die Anlage in Betrieb, stellen jeden Heizkörper im hydraulischen Abgleich ein und zeigen Ihnen die Regelung. Die Unterlagen für die Förderstelle und die Abnahme durch den Schornsteinfeger bekommen Sie mit der Rechnung. Vom ersten Anruf bis zur Abnahme sind es erfahrungsgemäß acht bis zwölf Wochen, und wer die einzelnen Schritte eines Heizungstauschs vorher lesen will, findet sie in der Reihenfolge, in der sie auf Sie zukommen.
Was in Kreuzberg nicht zu uns gehört
Wir bauen Heizungen neu und tauschen sie aus. Anlagen, die wir eingebaut haben, warten und reparieren wir auch. Fällt dagegen nachts die Therme aus, die ein anderer Betrieb 1996 in die Küche gehängt hat, ist das Sache eines Notdienstes oder des Betriebs, der sie kennt; einen Notdienst haben wir nicht, und an fremden Anlagen reparieren wir nicht.
Die Kehr- und Prüfarbeiten im Zug macht der Bezirksschornsteinfeger, die Verstärkung des Hausanschlusses Stromnetz Berlin, der Tausch der Fernwärme-Übergabestation die BEW, der sie gehört. Eine Bohranzeige für Erdsonden ist eine Bauherrenleistung, die Sie unterschreiben, auch wenn wir sie vorbereiten.
Einsatzgebiet: Kreuzberg und die Nachbarn
Gebaut wird in ganz Kreuzberg, in SO 36 vom Wrangelkiez über die Oranienstraße und den Reichenberger Kiez bis zum Graefekiez und zur Luisenstadt, in Kreuzberg 61 vom Bergmannkiez über den Chamissoplatz und den Viktoriapark bis zum Mehringdamm, in der Südlichen Friedrichstadt mit den IBA-Bauten an Ritterstraße, Kochstraße und Lindenstraße, am Landwehrkanal und am Gleisdreieck.
Nördlich schließt Mitte mit der Friedrichstraße und der Leipziger Straße an, westlich Schöneberg mit dem Gründerzeitbestand um den Nollendorfplatz und die Rote Insel, südlich Tempelhof mit dem Zeilenbau am Tempelhofer Damm. Südöstlich geht Kreuzberg über den Landwehrkanal in Neukölln mit dem Reuterkiez und dem Schillerkiez über, und östlich liegt jenseits der Spree Friedrichshain mit der Karl-Marx-Allee und dem Boxhagener Kiez.
Therme im Wrangelkiez oder Kaskade im IBA-Block
Wenn Ihre Therme von 1995 in der Wrangelstraße hängt oder der Kessel im IBA-Haus an der Ritterstraße seinen zweiten Nachfolger braucht, sehen wir uns Hof und Keller an: 030 2192 8018, werktags von 7 bis 17 Uhr. Hausgemeinschaften und Verwaltungen, die lieber schriftlich anfragen, nutzen das Formular unten auf der Seite und bekommen einen Terminvorschlag zurück.
