Wo es in Berlin Fernwärme gibt
Das Berliner Fernwärmenetz gehört der BEW, der Berliner Energie und Wärme, die im Jahr 2024 in den Besitz des Landes übergegangen ist. Das Netz erstreckt sich über mehr als 2.000 Kilometer und versorgt vor allem die Innenstadtbezirke: Mitte, Tiergarten, Moabit, Charlottenburg, Wilmersdorf, Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Lichtenberg und die Großsiedlungen in Marzahn und Hellersdorf. Daneben gibt es kleinere Netze, etwa in Neukölln, Köpenick und Buch, und Quartiersnetze einzelner Wohnungsbaugesellschaften.
Die Wärmeplanung des Landes Berlin weist Gebiete aus, in denen ein Wärmenetz die wahrscheinliche Versorgung ist, und Gebiete, in denen dezentrale Lösungen vorgesehen sind. Ein Einfamilienhaus in Frohnau, Kladow oder Mahlsdorf wird in absehbarer Zeit keine Fernwärme bekommen; ein Mehrfamilienhaus in der Innenstadt liegt häufig an einer Leitung oder in deren Nähe. Ob Ihr Haus anschließbar ist, beantwortet eine Anfrage beim Netzbetreiber.
Anschlusszwang gibt es in Berlin nicht flächendeckend
Ein häufiges Missverständnis: Wer in einem Fernwärmegebiet wohnt, muss anschließen. Das stimmt nicht. Ein Anschluss- und Benutzungszwang lässt sich nur über Bebauungspläne oder Satzungen für einzelne Gebiete festlegen, in Berlin vor allem in Neubaugebieten. Für den Bestand in den Innenstadtbezirken gilt nach heutigem Stand die freie Wahl. Auch die Wärmeplanung des Landes begründet keinen Zwang; sie ist eine Orientierung, kein Bescheid. Was sie stattdessen auslöst, die 65-Prozent-Regel für jede neue Heizung und Übergangsfristen für den Bestand, hat der Ratgeber zum Heizungsgesetz in Berlin im Einzelnen.
Umgekehrt gibt es auch keinen Anspruch auf Anschluss. Der Netzbetreiber entscheidet, ob eine Erweiterung wirtschaftlich ist, und ein einzelnes Einfamilienhaus 80 Meter von der Leitung entfernt bekommt in der Regel keinen Anschluss zu einem Preis, der sich rechnet.
Was der Anschluss kostet
Die Anschlusskosten bestehen aus drei Teilen: dem Baukostenzuschuss, mit dem sich der Kunde an den Netzkosten beteiligt, der Hausanschlussleitung von der Straße bis in den Keller und der Übergabestation. Für ein Einfamilienhaus liegen die drei zusammen erfahrungsgemäß bei 12.000 bis 25.000 Euro; entscheidend ist die Entfernung zur Leitung, weil jeder Meter Tiefbau in der Berliner Straße Geld kostet. Für ein Mehrfamilienhaus wächst der Betrag mit der Anschlussleistung, verteilt sich aber auf die Wohnungen.
Dazu kommt die Hausanlage hinter der Übergabestation: Warmwasserspeicher oder Frischwasserstation, Pumpen, Verteiler, der Anschluss an die vorhandenen Heizkörper und der hydraulische Abgleich. Das ist Sache des Heizungsbauers und liegt im Einfamilienhaus erfahrungsgemäß bei 4.000 bis 8.000 Euro, im Mehrfamilienhaus nach Objekt.
Nach heutigem Stand ist der Anschluss an ein Wärmenetz in der Bundesförderung mit 30 Prozent Grundförderung und den Boni förderfähig, wie eine Wärmepumpe. Das sind die Sätze vom September 2026. Weil auch der Anschlussvertrag mit dem Netzbetreiber als Auftrag zählt, gehört der Antrag vor die Unterschrift oder eine aufschiebende Bedingung in den Vertrag. Welche Boni für wen gelten, ist in der Heizungsförderung Baustein für Baustein erklärt.
Grundpreis, Arbeitspreis, Messpreis
Der Fernwärmepreis hat drei Bestandteile. Der Grundpreis wird je Kilowatt bestellter Anschlussleistung und Jahr berechnet und fällt unabhängig vom Verbrauch an. Für ein Einfamilienhaus mit 12 Kilowatt sind das erfahrungsgemäß 500 bis 800 Euro im Jahr. Wer die Anschlussleistung zu hoch bestellt, zahlt dauerhaft zu viel; deshalb gehört eine Heizlastberechnung vor die Bestellung.
Der Arbeitspreis wird je verbrauchter Kilowattstunde berechnet und liegt 2026 in Berlin meist zwischen 12 und 16 Cent. Weil die Fernwärme als fertige Wärme ins Haus kommt, gibt es keinen Umwandlungsverlust im Keller; 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf sind 20.000 Kilowattstunden auf der Rechnung, plus die Verluste in Speicher und Leitungen. Der Messpreis für den Wärmezähler liegt bei einem niedrigen dreistelligen Betrag im Jahr.
Wartung und Schornsteinfeger entfallen. Die Übergabestation braucht alle paar Jahre eine Prüfung, in der Regel für unter 100 Euro im Jahr. Es gibt keinen Kessel, der ausfallen kann, keine Abgasleitung und keinen Brennstoff im Haus.
Die Preisgleitklausel
Fernwärmeverträge enthalten eine Preisgleitklausel, die festlegt, wie sich Grund- und Arbeitspreis über die Laufzeit verändern. Sie koppelt den Preis an Indizes, meist einen Lohnkostenindex, einen Brennstoffindex, der die Erzeugungskosten des Netzes abbildet, und einen Wärmepreisindex, der die Marktlage abbildet. Die Klausel ist gesetzlich vorgeschrieben und muss beide Elemente enthalten; sie wird von Kartellbehörden geprüft.
Für den Kunden bedeutet das zweierlei. Erstens ist der Preis nicht verhandelbar, er folgt der Formel, nach oben wie nach unten. Zweitens hängt er an der Erzeugung des Netzes: Solange die Berliner Fernwärme zu großen Teilen aus Gas und Kohle stammt, folgt der Arbeitspreis den Preisen dieser Brennstoffe und dem CO2-Preis. Mit dem Umbau der Erzeugung auf Abwärme, Großwärmepumpen und Biomasse, den das Wärmeplanungsgesetz mit Zwischenzielen bis 2030 und 2040 verlangt, ändert sich die Formel. In welche Richtung, ist offen.
Die Vertragslaufzeit ist auf höchstens zehn Jahre begrenzt, mit Verlängerung um jeweils bis zu fünf Jahre. Einen Anbieterwechsel gibt es nicht; wer aussteigt, baut eine eigene Heizung.
Die Übergabestation
Die Übergabestation ist die Grenze zwischen Netz und Haus. Sie enthält einen Wärmetauscher, der das Netzwasser mit 80 bis 110 Grad vom Heizungswasser trennt, eine Regelung, die die Vorlauftemperatur nach Außentemperatur führt, eine Pumpe und den Wärmezähler, nach dem abgerechnet wird. Sie hängt an der Wand oder steht auf einem kleinen Sockel und braucht rund einen Quadratmeter Fläche. Ein alter Heizraum mit Kessel, Abgasleitung und Öltank wird damit zum Abstellraum.
Die Station gehört in der Regel dem Netzbetreiber und wird von ihm gewartet. Dahinter beginnt die Hausanlage: der Warmwasserspeicher oder die Frischwasserstation, die Verteilung zu den Heizkörpern und der hydraulische Abgleich. Fernwärme liefert hohe Temperaturen, weshalb alte Heizkörper ohne Tausch weiterlaufen; für den Betrieb ist das bequem, für die Rechnung teuer, weil hohe Rücklauftemperaturen bei vielen Anbietern einen Aufschlag kosten.
Der Vergleich über 15 Jahre: Einfamilienhaus
Gerechnet wird für das Reihenendhaus aus dem Vergleich Wärmepumpe oder Gasheizung: 140 Quadratmeter, 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf, selbst bewohnt, Gaskessel über 20 Jahre alt, Leitung in der Straße vorhanden.
| Position | Fernwärme | Wärmepumpe JAZ 3,0 |
|---|---|---|
| Anschluss bzw. Anlage inkl. Hausanlage | 18.000 € | 32.000 € |
| Förderung 50 % auf höchstens 30.000 € | 9.000 € | 15.000 € |
| Eigenanteil Anschaffung | 9.000 € | 17.000 € |
| Energie im Jahr | 20.000 kWh Wärme zu 14 Cent: 2.800 € | 6.700 kWh Strom zu 25 Cent: 1.670 € |
| Grundpreis, Messpreis, Wartung | 800 € | 270 € |
| Betriebskosten im Jahr | 3.600 € | 1.940 € |
| Betrieb über 15 Jahre | 54.000 € | 29.100 € |
| Summe über 15 Jahre | 63.000 € | 46.100 € |
Die Wärmepumpe liegt rund 17.000 Euro vorn. Der Grund ist der Arbeitspreis: Fernwärme kostet je Kilowattstunde Wärme rund 14 Cent, die Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,0 rund 8 Cent. Die günstigere Anschaffung der Fernwärme holt das über 15 Jahre nicht ein. Zum Vergleich: Der neue Gaskessel läge bei rund 60.300 Euro, also zwischen beiden.
Die Rechnung kippt, wenn die Wärmepumpe keine Jahresarbeitszahl von 3,0 erreicht, weil das Haus 65 Grad Vorlauf braucht, oder wenn es keinen zulässigen Aufstellort für die Außeneinheit gibt. Dann ist Fernwärme die einfachere Lösung, die ohne Heizkörpertausch und ohne Schallschutzfrage auskommt.
Der Vergleich im Mehrfamilienhaus
Im Gründerzeithaus mit zwölf Wohnungen in Kreuzberg oder Friedrichshain sieht die Sache anders aus. Die alten Heizkörper verlangen 65 bis 70 Grad Vorlauf, das Warmwasser hat morgens Spitzen, und der Hof bietet selten einen Platz für eine Außeneinheit, der die 35 Dezibel nachts am Nachbarfenster einhält. Eine Großwärmepumpe müsste groß und mit viel Speicher gebaut werden und liefe mit einer Jahresarbeitszahl um 2,5.
Fernwärme liefert die hohen Temperaturen ohne Aufwand, braucht keinen Schornsteinfeger, keine Abgasanlage und keinen Platz für Außeneinheiten, und der Anschluss verteilt sich auf zwölf Wohnungen. Die Alternative ist eine Gas-Brennwertkaskade, die nach heutigem Stand die 65-Prozent-Regel nicht erfüllt, oder eine Hybridheizung aus Wärmepumpe und Kessel. In vielen Innenstadthäusern ist die Fernwärme die Lösung, die die Eigentümergemeinschaft beschließen kann, ohne über Aufstellorte und Denkmalschutz zu streiten. Mit welcher Mehrheit ein solcher Beschluss zustande kommt und wie die Kosten auf die Eigentümer verteilt werden, behandelt Heizung in der Eigentümergemeinschaft. Wie die Hausanlage hinter der Übergabestation für zwölf Wohnungen mit Zirkulation und Warmwasserspitze ausgelegt wird, zeigt die Seite Heizung im Mehrfamilienhaus.
Entscheidungshilfe
Für Fernwärme spricht eine Leitung in der Straße, ein Mehrfamilienhaus mit hohen Vorlauftemperaturen, fehlender Platz für eine Außeneinheit, Denkmalschutz an der Fassade, der Wunsch nach wenig Technik im Haus und die Erfüllung des Heizungsgesetzes ohne eigenes Zutun. Dagegen sprechen der Arbeitspreis, die Bindung an einen Anbieter ohne Wechselmöglichkeit und eine Preisformel, die niemand beeinflusst.
Für die eigene Wärmepumpe spricht ein Einfamilienhaus mit Garten oder Hof, eine Heizlast unter 12 bis 15 Kilowatt, Heizkörper, die mit 50 Grad auskommen, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und die Unabhängigkeit von einem Versorger. Dagegen sprechen die höhere Anschaffung, die Schallschutz- und Abstandsfragen und die Jahresarbeitszahl, die stimmen muss. Ob sie in einem Haus mit alten Heizkörpern über 3 kommt und was dafür getan werden muss, ist die Kernfrage von Wärmepumpe im Altbau.
Was wir davon leisten
Den Fernwärmeanschluss selbst stellt der Netzbetreiber her, und die Übergabestation bleibt in seiner Hand; das ist nicht unsere Arbeit. Wir bauen die Hausanlage dahinter, also Speicher, Hydraulik, Verteilung und hydraulischen Abgleich, und wir bauen die eigene Heizung, wenn die Rechnung dafür spricht: die Wärmepumpe im Einfamilienhaus, die Hybridanlage oder Großwärmepumpe im Mehrfamilienhaus. Wir kommen dafür ins Haus, ohne dass der Termin etwas kostet, rechnen beide Wege mit Heizlast, Aufstellort, Förderung und den Preisen des Tages durch und sagen Ihnen auch, wenn der Anschluss die bessere Wahl ist. Was wir nicht anbieten, ist der Eingriff in die laufende Anlage eines anderen Betriebs. Fällt der alte Kessel im Dezember aus, ist der Betrieb zuständig, der ihn eingebaut hat, oder ein Notdienst; wir warten und reparieren nur, was wir selbst gebaut haben.
Liegt die Leitung in Ihrer Straße?
Nennen Sie uns die Straße, die Zahl der Wohnungen und die Heizung, die heute läuft, dann sagen wir Ihnen am Telefon, ob Fernwärme für das Haus überhaupt eine Option ist oder die Rechnung gleich mit der Wärmepumpe beginnt: 030 2192 8018, wochentags von 7 bis 17 Uhr. Dieselbe Frage können Sie uns über das Formular unten auf der Seite stellen.
