Worum es bei der Frage wirklich geht
Heizkörper und Fußbodenheizung erwärmen denselben Raum, aber mit sehr unterschiedlichem Wasser. Ein Heizkörper aus den siebziger oder achtziger Jahren wurde für 70 Grad Vorlauf und 55 Grad Rücklauf ausgelegt. Eine Fußbodenheizung nutzt den ganzen Boden als Heizfläche und kommt deshalb mit 30 bis 35 Grad aus.
Für einen Gaskessel ist das nebensächlich, er erzeugt 70 Grad fast so günstig wie 40. Für eine Wärmepumpe ist es die entscheidende Zahl. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto weniger Strom braucht sie, erfahrungsgemäß 2 bis 2,5 Prozent je Grad. Zwischen 55 und 35 Grad liegen damit 30 bis 40 Prozent der Stromrechnung.
Deshalb lautet die eigentliche Frage: Mit welcher Vorlauftemperatur soll das Haus künftig auskommen, und was kostet der Weg dorthin? Sie stellt sich vor jedem Wärmepumpen-Einbau, und selten gibt es nur eine richtige Antwort.
Die drei Wege, sortiert nach Aufwand
Der erste Weg ist, gar nichts am Boden zu tun und nur die Heizkörper zu prüfen. Viele Häuser sind seit dem Einbau der Heizkörper gedämmt worden, haben neue Fenster bekommen oder wurden von vornherein großzügig ausgelegt. Dann reicht die vorhandene Heizfläche auch mit 50 Grad Vorlauf, und es muss nichts getauscht werden.
Der zweite Weg ist der Tausch einzelner Heizkörper gegen größere oder gegen Niedertemperatur-Modelle. Das sind meist die Räume, die bei der Prüfung kalt bleiben: das Wohnzimmer mit der großen Fensterfront, das Eckzimmer nach Norden. Fünf bis acht Heizkörper zu tauschen kostet eingebaut meist 2.000 bis 7.000 Euro und ist an ein bis zwei Tagen erledigt.
Der dritte Weg ist die Fußbodenheizung. Sie ist die aufwendigste Lösung und die mit dem niedrigsten Vorlauf. Ob sie sich lohnt, hängt weniger von der Wärmepumpe ab als vom Haus: Welche Decke liegt unter dem Belag, wie viel Höhe ist da, und geht der Boden ohnehin auf?
Der Heizkörper-Test an einem kalten Tag
Bevor über Fräsen oder Estrich gesprochen wird, lohnt ein Versuch, der nichts kostet. Stellen Sie an einem Tag mit Außentemperaturen um oder unter null Grad die Vorlauftemperatur am Kessel auf 55 Grad und öffnen Sie alle Thermostate ganz. Nach ein bis zwei Tagen wissen Sie, welche Räume warm werden und welche nicht.
Bleiben alle Räume warm, kann eine Wärmepumpe das Haus mit den vorhandenen Heizkörpern versorgen. Bleiben einzelne Räume kalt, ist das die Liste der Heizkörper, die getauscht werden. Bleibt das ganze Haus kühl, ist die Heizfläche insgesamt zu klein.
Genauer wird das mit einer raumweisen Heizlastberechnung. Sie sagt für jeden Raum, wie viel Watt an einem Auslegungstag gebraucht werden, und für jeden Heizkörper, wie viel er bei welcher Vorlauftemperatur liefert. Die Differenz ist die Entscheidungsgrundlage, nicht das Gefühl.
Niedertemperatur-Heizkörper: was dahinter steckt
Ein Niedertemperatur-Heizkörper ist zunächst nur ein großer Heizkörper. Ein Flachheizkörper vom Typ 22 hat zwei Platten und zwei Konvektorbleche, ein Typ 33 drei Platten. Bei gleicher Breite und Höhe liefert der Typ 33 rund die Hälfte mehr Leistung als der Typ 22, und beide deutlich mehr als der einlagige Typ 11, der in vielen Wohnungen aus den neunziger Jahren hängt.
Die zweite Sorte sind Gebläseheizkörper. Sie haben leise Lüfter, die die Luft durch einen Wärmetauscher ziehen, und bringen schon mit 35 Grad Vorlauf ihre volle Leistung. Sie sind mit 1.000 bis 1.800 Euro je Stück teurer und brauchen einen Stromanschluss, lösen aber den Einzelraum, in dem alles andere nicht passt.
Alte Gussradiatoren im Gründerzeit-Altbau haben eine große Oberfläche und kommen mit 50 Grad oft besser zurecht, als man ihnen ansieht. Wer sie behalten will, nimmt sie in die Heizlastberechnung auf, statt sie pauschal zu ersetzen.
Fußbodenheizung nachrüsten: die drei Systeme
Fräsverfahren im vorhandenen Estrich
Beim Fräsen wird der Bodenbelag entfernt und mit einer Fräse ein Rohrkanal in Schleifen in den Estrich geschnitten. In die Kanäle kommt ein Heizrohr mit 12 bis 16 Millimetern, darüber eine Ausgleichsmasse, dann der neue Belag. Es kommt keine Höhe dazu, Türen und Schwellen bleiben, und in einer 90-Quadratmeter-Wohnung ist das Fräsen in zwei bis drei Tagen erledigt.
Die Voraussetzung ist ein Zement- oder Anhydritestrich von mindestens 45 Millimetern, der fest auf seiner Dämmung liegt. Das trifft auf die meisten Nachkriegsbauten ab den fünfziger Jahren zu, auf Siedlungshäuser der sechziger und siebziger Jahre und auf Plattenbauten. Es trifft nicht auf Holzbalkendecken zu.
Die Kosten liegen erfahrungsgemäß bei 80 bis 130 Euro je Quadratmeter für Fräsen, Rohr, Verteiler und Anschluss. Dazu kommen Ausgleichsmasse und Bodenbelag, die je nach Wahl 30 bis 100 Euro je Quadratmeter ausmachen.
Dünnschicht- und Trockensysteme
Wo der Estrich zu dünn ist oder eine Holzbalkendecke liegt, kommen Systeme zum Einsatz, die auf den vorhandenen Boden gelegt werden. Dünnschichtsysteme bestehen aus einer Noppen- oder Fräsplatte von 15 bis 25 Millimetern mit dem Rohr darin und einer dünnen Ausgleichsschicht. Trockensysteme arbeiten mit Wärmeleitblechen aus Aluminium in einer Trägerplatte, ohne Nassschicht.
Beide Systeme kosten meist 120 bis 200 Euro je Quadratmeter und brauchen 20 bis 40 Millimeter Höhe zuzüglich Belag. Türen werden gekürzt, Schwellen angepasst, und am Treppenantritt entsteht eine Stufe, die im Bauablauf mitgedacht werden muss. In Berliner Gründerzeitwohnungen mit 3,20 Metern Deckenhöhe ist die Höhe kein Problem, wohl aber die Türen und der Übergang zum Treppenhaus.
Nassestrich mit Dämmung
Der klassische Aufbau aus Dämmung, Rohr und Heizestrich ist mit 60 bis 100 Euro je Quadratmeter am günstigsten, braucht aber 80 bis 120 Millimeter Aufbauhöhe und vier bis sechs Wochen Trockenzeit. Im bewohnten Altbau kommt er fast nur infrage, wenn der Boden ohnehin bis auf die Rohdecke aufgeht, etwa bei einer Kernsanierung oder einem Dachausbau.
Die Systeme im Vergleich
| System | Vorlauf | Aufbauhöhe | Kosten je m² (ohne Belag) | Bauzeit 90 m² | Passt zu |
|---|---|---|---|---|---|
| Heizkörper Typ 22/33 im Tausch | 45–55 °C | keine | 400–900 € je Stück | 1–2 Tage | Estrich- und Holzbalkendecke |
| Gebläseheizkörper | 35–45 °C | keine | 1.000–1.800 € je Stück | 1 Tag | Einzelräume |
| Fräsverfahren | 30–35 °C | 0 mm | 80–130 € | 2–3 Tage plus Belag | Estrich ab 45 mm, Nachkriegsbau, Platte |
| Dünnschicht-/Trockensystem | 30–38 °C | 20–40 mm | 120–200 € | 3–5 Tage plus Belag | Holzbalkendecke, dünner Estrich |
| Nassestrich | 30–35 °C | 80–120 mm | 60–100 € | 1 Woche plus 4–6 Wochen Trocknung | Kernsanierung, Anbau |
Die Spannen sind Erfahrungswerte für Berlin, brutto und ohne Bodenbelag. Was Ihr Boden tatsächlich kostet, hängt an zwei Messungen, die wir vor Ort machen, der Estrichdicke per Probebohrung und der Heizlast je Raum.
Was der Berliner Bestand hergibt
In den Gründerzeithäusern zwischen Charlottenburg, Kreuzberg und Prenzlauer Berg liegen Holzbalkendecken mit Dielen und einer Füllung aus Lehm oder Schlacke. Fräsen geht hier nicht. Wer dort eine Fußbodenheizung will, legt ein Trockensystem auf die Dielen oder auf eine Ausgleichsschicht und nimmt in Kauf, dass die Dielen als Sichtbelag verschwinden oder neu verlegt werden. Oft ist der Heizkörpertausch hier der bessere Weg, weil die hohen Räume ohnehin große Heizkörper vertragen und ein Typ 33 in gleicher Länge unter dem Kastenfenster Platz hat. Die Heizfläche ist im Gründerzeithaus aber nur eine von fünf Fragen; Hof, Schall, Denkmalschutz und Stromanschluss haben wir unter Wärmepumpe im Altbau in der Reihenfolge durchgesprochen, in der sie beim Umbau anstehen.
Die Nachkriegsbauten der fünfziger bis siebziger Jahre, die Einfamilienhäuser in Lichtenrade, Mahlsdorf oder Kleinmachnow und die Plattenbauten in Marzahn und Hellersdorf haben fast immer einen Zementestrich auf Betondecke. Das ist der Standardfall für das Fräsverfahren, und dort ist die nachgerüstete Fußbodenheizung am günstigsten. Ob der Estrich dick genug ist, zeigt eine Probebohrung beim Vor-Ort-Termin.
Wo die Fußbodenheizung nicht die richtige Antwort ist
Eine Fußbodenheizung reagiert träge. Sie braucht Stunden, bis der Raum wärmer wird, und ebenso lange, bis er wieder abkühlt. In Räumen, die nur zeitweise genutzt werden, im Gästezimmer oder im Hobbyraum, ist ein Heizkörper mit Thermostat schlicht praktischer.
Sie ist auch nicht die Lösung für ein schlecht gedämmtes Haus. Wenn ein Raum bei minus zehn Grad 120 Watt je Quadratmeter braucht, liefert ein Fußboden mit 35 Grad das nicht, er schafft je nach Belag 60 bis 90 Watt. Dann muss die Vorlauftemperatur ohnehin höher, und der Vorteil schmilzt. In solchen Häusern kommt vor der Heizfläche die Dämmung, oder die Wärmepumpe wird als Hybridheizung mit einem Gaskessel für die kältesten Tage kombiniert.
Und sie ist nicht sinnvoll unter einem Belag, der sie ausbremst. Dicker Teppich, Kork oder ein Massivparkett über 15 Millimetern erhöhen den Wärmedurchlasswiderstand so weit, dass der Vorlauf wieder steigen muss. Keramik, Naturstein, Vinyl oder ein freigegebenes Mehrschichtparkett sind die passenden Beläge.
Die Mischlösung, die meistens herauskommt
In den meisten Häusern, die wir umbauen, wird gemischt. Fußbodenheizung kommt dorthin, wo der Boden ohnehin aufgeht: in die neue Küche, in den Anbau, in das Erdgeschoss, das gerade saniert wird. Die Schlafräume im Obergeschoss behalten ihre Heizkörper, die gegen größere getauscht werden, wo der Test es zeigt.
Technisch ist das kein Problem. Die Wärmepumpe versorgt beide Kreise, ein Mischer senkt die Temperatur für den Fußboden ab, und der hydraulische Abgleich verteilt das Wasser so, dass jeder Kreis bekommt, was er braucht. Ausgelegt wird die Wärmepumpe auf die höhere der beiden Temperaturen.
Statt 8.000 bis 15.000 Euro für eine Fußbodenheizung in der ganzen Wohnung sind es dann etwa 3.000 bis 6.000 Euro für zwei Räume und drei bis fünf neue Heizkörper. Der Vorlauf sinkt von 65 auf 45 bis 50 Grad, und das ist bei einer Wärmepumpe der größte Teil des Effekts.
Förderung und Steuer, kurz gefasst
Werden Fußbodenheizung oder neue Heizkörper zusammen mit einer Wärmepumpe eingebaut, gelten sie nach heutigem Stand als Umfeldmaßnahme und zählen zu den förderfähigen Kosten der Heizungsförderung über die KfW, mit derselben Quote wie die Wärmepumpe selbst. Der Deckel liegt bei 30.000 Euro förderfähiger Kosten für die erste Wohneinheit, und dieser Deckel ist bei Wärmepumpe plus Fußbodenheizung schnell erreicht. Ob es sich dann lohnt, die Fußbodenheizung mit in den Antrag zu nehmen oder nur die Heizkörper, weil der Rest ohnehin über dem Deckel liegt, rechnen wir mit den Sätzen durch, die am Tag des Antrags gelten; die Boni und Deckel im Einzelnen erklärt Heizungsförderung.
Ohne Heizungstausch bleibt die Steuerermäßigung nach § 35c EStG für selbstgenutztes Wohneigentum, 20 Prozent der Kosten verteilt über drei Jahre, oder die Handwerkerleistung nach § 35a EStG mit 20 Prozent des Lohnanteils bis 1.200 Euro im Jahr. Beides ist nicht mit der KfW-Förderung kombinierbar.
Entscheidungshilfe in vier Fragen
Die erste Frage ist, ob eine Wärmepumpe ins Haus kommt. Wenn nein, ist der Umbau der Heizflächen eine reine Komfortfrage. Die zweite Frage beantwortet der Test mit 55 Grad Vorlauf. Bleibt alles warm, bleiben die Heizkörper; werden einzelne Räume kalt, werden diese getauscht.
Die dritte Frage ist, ob in einem Teil des Hauses ohnehin der Boden aufgeht. Dann kommt dort die Fußbodenheizung hinein, je nach Decke gefräst oder als Trockensystem. Die vierte Frage gilt dem Estrich. Liegt ein Zementestrich ab 45 Millimetern in der ganzen Wohnung und ist der Belag am Ende, ist das Fräsen die günstigste Fußbodenheizung im Bestand.
Was wir am Boden machen und was der Bodenleger macht
Bevor ein Angebot entsteht, sehen wir uns Decke, Estrich, Heizkörper und Rohrnetz vor Ort an, ohne Rechnung dafür, bohren bei Bedarf den Estrich an und sagen, welcher der drei Wege in Ihrem Haus sinnvoll ist. Das Angebot nennt danach je Raum, ob der Heizkörper bleibt, getauscht wird oder eine Fußbodenheizung hineinkommt, und die Vorlauftemperatur, auf die die Wärmepumpe ausgelegt wird; der Preis darin gilt als Festpreis. Fräsen, Verlegen, Verteiler und die Anbindung an die neue Anlage laufen aus einer Hand, mit einem Ansprechpartner. Der Bodenbelag darüber ist Sache des Bodenlegers oder Parkettlegers, mit dem wir Belegreife und Aufheizprotokoll abstimmen. Nach dem Einbau folgt der hydraulische Abgleich, und die Unterlagen für die Förderstelle gehören dazu. Was das Ganze mit der neuen Anlage zusammen kostet, haben wir unter Heizung Kosten für die üblichen Berliner Objekttypen vorgerechnet.
Heizflächen bauen wir nur zusammen mit einer neuen Anlage um. Eine Fußbodenheizung an eine bestehende Fremdanlage anzuschließen oder einen undichten Heizkreis in einer fremden Anlage zu suchen, gehört zu dem Betrieb, der sie gebaut hat; und wer im Januar mit kaltem Boden dasteht, braucht einen Notdienst, und Notdienst ist nicht unser Geschäft. Für die Anlagen, die wir gebaut haben, übernehmen wir die Wartung auch in den Jahren danach.
Ob Ihr Estrich das Fräsen verträgt
Wenn Sie uns Baujahr, Deckenart und die Heizkörpertypen nennen, die bei Ihnen hängen, können wir am Telefon schon sagen, ob das Fräsen infrage kommt oder ob es auf ein Trockensystem und größere Heizkörper hinausläuft. Dafür genügt ein Anruf unter 030 2192 8018 an einem Werktag zwischen 7 und 17 Uhr. Über das Formular unten geht es auch schriftlich; die Angabe, ob unter dem Belag Estrich oder Dielen liegen, erspart dabei viele Rückfragen.
