Warum Westberlin mit Nachtstrom heizt
Die Nachtspeicherheizung ist ein Kind der Insellage. Westberlin hatte bis Anfang der neunziger Jahre ein eigenes Stromnetz ohne Verbindung zum Umland, und die Kraftwerke der Bewag mussten nachts eine Grundlast fahren, für die es keine Abnehmer gab. Nachtspeicher waren die Lösung: Sie luden nachts zu einem günstigen Tarif und gaben die Wärme am Tag ab. Kein Schornstein, keine Rohre, kein Gasanschluss, und der Einbau dauerte einen Tag.
Deshalb stehen sie heute an drei Stellen. Erstens in den Zeilenbauten und Punkthochhäusern der fünfziger bis siebziger Jahre in Wedding, Reinickendorf, Spandau, Neukölln, Tempelhof, Schöneberg und Charlottenburg-Nord, häufig als Ausstattung des sozialen Wohnungsbaus. Zweitens in Altbauwohnungen, in denen der Kohleofen in den siebziger und achtziger Jahren durch einen Speicherofen ersetzt wurde. Drittens in Bungalows und Siedlungshäusern am Stadtrand, in Lichtenrade, Heiligensee oder Kladow.
Warum ersetzen: die Rechnung im Betrieb
Ein Nachtspeicher macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme. Eine 70-Quadratmeter-Wohnung im unsanierten Zeilenbau braucht 100 bis 150 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr, also 7.000 bis 10.500 Kilowattstunden Heizstrom. Selbst mit Heizstromtarif ist das ein vierstelliger Betrag im Jahr, und die günstigen Nachttarife von früher gibt es in dieser Form nicht mehr.
Dazu kommen die Nachteile im Alltag: Die Geräte laden nachts für den nächsten Tag und reagieren nicht auf Wetterumschwünge. Am Abend sind sie oft leer, am Morgen zu heiß. Die Ventilatoren sind laut, die Gehäuse verstauben, und Ersatzteile für Geräte aus den siebziger Jahren gibt es kaum noch. Eine Wärmepumpe liefert dieselbe Wärme mit einem Drittel bis einem Viertel des Stroms, eine Gastherme oder Fernwärme mit ganz anderen Energiekosten.
Asbest in alten Geräten
Nachtspeichergeräte bis etwa 1984 können Asbest enthalten, in Dämmplatten, in Dichtschnüren und in den Kernsteinen. Geräte bis in die neunziger Jahre enthalten oft künstliche Mineralfasern, die ebenfalls nicht frei werden sollen. Manche Serien enthalten Chromat in den Speichersteinen. Von außen sieht man das nicht; solange das Gerät geschlossen ist, geht davon nach heutigem Wissen keine Gefahr aus.
Klarheit bringt das Typenschild. Hersteller, Typ und Baujahr lassen sich über die Listen der Hersteller oder über die Entsorgungsbetriebe prüfen. Ist das Gerät asbesthaltig, gilt die TRGS 519: Die Demontage macht ein Betrieb mit entsprechender Zulassung, das Gerät wird im Ganzen staubdicht in Folie verpackt, nicht zerlegt, und als gefährlicher Abfall entsorgt. Sie bekommen einen Entsorgungsnachweis, den Sie aufheben sollten.
Was das kostet, ist überschaubar: erfahrungsgemäß 150 bis 400 Euro je Gerät für Demontage, Verpackung und Entsorgung, bei asbestfreien Geräten deutlich weniger. Der größere Posten ist manchmal der Transport, denn ein Gerät wiegt mit Speichersteinen 100 bis 300 Kilogramm, und viele dieser Wohnungen liegen im dritten oder vierten Stock ohne Aufzug. Wer die Geräte selbst abklemmt und auf den Hof stellt, spart nichts und verstößt gegen die Regeln.
Das eigentliche Thema: ein Rohrnetz, das es noch nicht gibt
Jede wassergeführte Heizung braucht Vorlauf und Rücklauf in jeden Raum, und genau das fehlt in einer Nachtspeicherwohnung vollständig. Die Verrohrung ist beim Ersatz einer Nachtspeicherheizung der größte Posten, größer als der Wärmeerzeuger selbst. Es gibt drei Wege, sie in die Wohnung zu bringen.
Der erste ist die sichtbare Führung: Verbundrohr in einer Sockelleiste oder in einem schmalen Kanal über dem Boden entlang der Außenwände, mit Kernbohrungen von Raum zu Raum. Das geht ohne Eingriff in den Boden, ist in ein bis zwei Tagen verlegt und bleibt sichtbar, aber unauffällig.
Der zweite ist die Verlegung im Boden, wenn Estrich oder Dielen ohnehin erneuert werden. Dann liegen die Rohre gedämmt unter dem neuen Belag, und in derselben Baustelle ist eine Fußbodenheizung nur ein kleiner Schritt weiter. Für eine spätere Wärmepumpe ist das die beste Grundlage, weil die Vorlauftemperatur dann niedrig bleibt. Ob in einer Wohnung mit 70 Quadratmetern die Sockelleiste mit Heizkörpern oder der Boden mit Heizschleifen die bessere Wahl ist, hängt an Bodenaufbau und Raumhöhe; diese Abwägung führt Heizkörper oder Fußbodenheizung mit Zahlen durch.
Der dritte gilt für das ganze Haus: neue Steigestränge im Treppenhaus oder in einem Installationsschacht, von denen jede Wohnung abzweigt. Das ist ein Eingriff in Gemeinschaftseigentum und ein Projekt der Eigentümergemeinschaft oder des Vermieters, nicht der einzelnen Wohnung.
| Verrohrung | Erfahrungswert brutto | Dauer je Wohnung |
|---|---|---|
| Sichtbar, Sockelleiste oder Kanal, 5–6 Heizkörper | 5.000–9.000 € | 3–5 Arbeitstage |
| Im Boden bei Bodenerneuerung, 5–6 Heizkörper | 6.000–11.000 € | 4–6 Arbeitstage |
| Fußbodenheizung bei Bodenerneuerung, 70 m² | 8.000–14.000 € | 5–8 Arbeitstage |
Die Zahlen gelten je Wohnung ohne Wärmeerzeuger und ohne Demontage der alten Geräte. Bei kleinen Räumen und kurzen Wegen liegen sie unten, bei Altbauwohnungen mit hohen Räumen und vielen Durchbrüchen oben.
Die Alternativen im Vergleich
Welches System danach sinnvoll ist, hängt weniger von der Wohnung ab als vom Haus: Gibt es Fernwärme in der Straße, gibt es Gas im Haus, gibt es einen Hof oder ein Dach für eine Wärmepumpe, und geht es um eine Wohnung oder um das ganze Gebäude.
| Wärmepumpe mit neuen Heizkörpern | Fernwärme | Etagen-Gastherme | |
|---|---|---|---|
| Passt für | ganzes Haus, Bungalow, Einfamilienhaus | Häuser im Fernwärmegebiet der BEW | einzelne Wohnung mit Gas im Haus |
| Wärmeerzeuger, brutto | Einfamilienhaus 25.000–45.000 €, Mehrfamilienhaus nach Heizlast | Hausanschluss und Übergabestation nach Angebot der BEW | 4.500–8.500 € beim Tausch, hier plus Gasinnenleitung |
| Verrohrung | neu, siehe Tabelle | neu, plus Verteilung im Haus | neu in der Wohnung |
| Förderung Stand 2026 | 30–70 % | Anschluss förderfähig | keine |
| 65-Prozent-Regel nach heutigem Stand | erfüllt | erfüllt | nur mit Beratung und Auflagen |
| Warmwasser | zentral über Speicher | zentral über Station | in der Therme |
| Ohne Heizung | 1–2 Wochen je Haus | nach Anschlusstermin der BEW | 1–2 Wochen je Wohnung |
Die Wärmepumpe mit neuen Heizkörpern ist die Lösung für das Einfamilienhaus, den Bungalow und für das ganze Mehrfamilienhaus mit zentraler Anlage. Weil die Heizkörper ohnehin neu sind, werden sie gleich für 45 bis 55 Grad Vorlauf ausgelegt, und die Wärmepumpe läuft in ihrem besten Bereich. Die Außeneinheit steht im Garten oder im Hof, mit Abstand zum Nachbarn und einem Nachtwert von höchstens 35 Dezibel in reinen Wohngebieten. Der vorhandene Stromanschluss der Nachtspeicher reicht meist aus. Wie die Außeneinheit im Hof eines Zeilenbaus platziert wird, damit die 35 Dezibel am Nachbarfenster eingehalten sind, und was die Anlage im Ganzen kostet, zeigt die Seite Wärmepumpe in Berlin.
Fernwärme ist die Lösung, wenn das Haus im Fernwärmegebiet der BEW liegt, was in vielen Innenstadtlagen und Großsiedlungen der Fall ist. Der Hausanschluss und die Übergabestation kommen vom Netzbetreiber, die Verteilung im Haus und die Heizkörper sind Heizungsbau wie bei jeder Zentralheizung. Ob Fernwärme oder eine eigene Anlage günstiger ist, hängt vom Anschlusspreis und vom Tarif ab. Für ein Haus, in dem ohnehin alle Rohre neu sind, rechnet Fernwärme oder eigene Heizung beide Wege über 15 Jahre gegeneinander, mit Grundpreis, Arbeitspreis und Gleitklausel.
Die Etagen-Gastherme ist die Lösung für die einzelne Wohnung, wenn Gas im Haus liegt und die Eigentümergemeinschaft keine zentrale Lösung plant. Sie liefert Heizung und Warmwasser, braucht einen Abgasweg über Dach oder Fassade und eine Gasinnenleitung vom Zähler in die Wohnung. Nach heutigem Stand gibt es dafür keine Förderung, und vor dem Einbau steht eine Beratungspflicht nach dem Gebäudeenergiegesetz. Was die Therme eingebaut kostet und wo der Abgasweg in einem Zeilenbau verlaufen kann, beschreibt Gastherme in Berlin; welche Auflagen die 65-Prozent-Regel an eine neue Etagenheizung stellt, das Heizungsgesetz in Berlin.
Direktstromlösungen wie Infrarotpaneele oder neue Elektroheizkörper lassen das Rohrnetz weg, ändern aber nichts am Stromverbrauch, denn eine Kilowattstunde bleibt eine Kilowattstunde. Gefördert werden sie nicht. Split-Klimageräte als Luft-Luft-Wärmepumpe sind eine Zwischenlösung für einzelne Räume; das ist Kältetechnik, nicht unser Gewerk, und Warmwasser liefern sie nicht.
Wohnung oder ganzes Haus
Für die einzelne Eigentumswohnung im Zeilenbau bleibt realistisch die Gastherme oder, wenn im Haus eine Leitung liegt, die Fernwärme. Eine Wärmepumpe für eine Wohnung im dritten Stock scheitert meist am Platz für die Außeneinheit und an der Zustimmung der Gemeinschaft.
Für das ganze Haus ist der Moment ein guter, denn wenn ohnehin alle Wohnungen ein Rohrnetz bekommen, ist der Weg zur zentralen Anlage kurz. Eine Wärmepumpe im Hof oder eine Kaskade auf dem Flachdach versorgt alle Wohnungen, das Warmwasser läuft zentral über Speicher, und die Förderung rechnet nach Wohneinheiten: 30.000 Euro förderfähige Kosten für die erste, 15.000 Euro je weitere bis zur sechsten, 8.000 Euro ab der siebten. Wie eine Gemeinschaft im Zeilenbau einen solchen Beschluss vorbereitet, von der Bestandsaufnahme der Geräte bis zur Abstimmung, ist Thema von Heizung in der Eigentümergemeinschaft; die Auslegung von Kaskade, Strängen und Warmwasser für 24 Wohnungen behandelt Heizung im Mehrfamilienhaus.
Förderung mit Vorbehalt
Nach heutigem Stand ist die Nachtspeicherheizung ausdrücklich als Anlage genannt, deren Austausch den Klimageschwindigkeitsbonus auslöst: 20 Prozent zusätzlich zur Grundförderung von 30 Prozent, wenn die Anlage funktionsfähig ist und Sie selbst im Haus wohnen. Mit Einkommensbonus und Effizienzbonus sind bis zu 70 Prozent möglich. Die Verrohrung und die neuen Heizkörper gehören zu den förderfähigen Kosten der Maßnahme, die Demontage der Nachtspeicher in der Regel ebenfalls.
Gestellt wird der Antrag, bevor der Vertrag unterschrieben ist, oder der Vertrag bekommt eine aufschiebende Bedingung. Die Sätze sind die vom September 2026; im Angebot steht die Rechnung mit dem Stand des Tages, und sie gehört vor die Unterschrift. Wie der Antrag im KfW-Portal läuft und welche Fehler die Förderung kosten, zählt die Heizungsförderung auf.
Was am Zählerschrank passiert
Nachtspeicher hängen an einem Zweitarifzähler mit Rundsteuerempfänger, der die Ladung nachts freigibt. Beim Ersatz wird der Zähler beim Netzbetreiber Stromnetz Berlin umgemeldet, der Rundsteuerempfänger ausgebaut und die Verteilung neu geordnet. Kommt eine Wärmepumpe, wird sie im selben Zug bei Stromnetz Berlin angemeldet, was ab 4,2 Kilowatt Pflicht ist, und der Rundsteuerempfänger bekommt gewissermaßen einen Nachfolger: Als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach Paragraf 14a EnWG darf der Netzbetreiber die Wärmepumpe bei Engpässen kurz dimmen, und dafür sinkt das Netzentgelt. Der frühere Nachtspeicheranschluss ist in der Regel stark genug.
Ablauf und Zeitplan
Zuerst kommen wir in die Wohnung oder ins Haus, ohne dass der Termin etwas kostet. Wir lesen die Typenschilder der Geräte ab, prüfen den Grundriss auf mögliche Rohrwege, sehen nach, ob Gas oder Fernwärme im Haus liegt, und schauen in den Zählerschrank, auf den Abgasweg und auf den möglichen Aufstellort. Daraus entsteht ein Angebot, dessen Preis so bleibt, mit der Förderrechnung dazu. Der Förderantrag geht vor dem Auftrag raus; die Asbestfrage klären wir davor, weil sie über Entsorgungsbetrieb und Termin entscheidet.
Die Baustelle in einer Wohnung dauert von der Demontage bis zur Inbetriebnahme ein bis zwei Wochen, weil das Rohrnetz neu entsteht. In einem ganzen Haus mit zentraler Anlage ist es ein bis zwei Wochen je nach Zahl der Wohnungen. Zum Schluss wird die Anlage in Betrieb genommen und hydraulisch abgeglichen, Sie bekommen die Einweisung, das Abgleichprotokoll geht an die KfW, und bei einer Gastherme nimmt der Schornsteinfeger den Abgasweg ab. Den Entsorgungsnachweis für die Nachtspeicher legen Sie zu diesen Unterlagen.
Was wir davon leisten
Wir bauen die neue Anlage: Rohrnetz, Heizkörper oder Fußbodenheizung, Wärmepumpe oder Gastherme mit Speicher, Hydraulik und Elektroanschluss, Inbetriebnahme und hydraulischer Abgleich, dazu die Förderrechnung und die Unterlagen für den Antrag. Bei Fernwärme bauen wir die Verteilung im Haus; Anschluss und Übergabestation kommen von der BEW. Die Demontage asbesthaltiger Geräte macht ein dafür zugelassener Betrieb, und den Termin legen wir mit Ihnen so, dass die Geräte draußen sind, bevor die Rohre kommen. Alte Nachtspeicher reparieren wir nicht; das ist Elektrohandwerk und lohnt bei Geräten aus den siebziger Jahren selten. Fällt eine Anlage aus, die ein anderer Betrieb gebaut hat, ist dieser Betrieb oder ein Notdienst zuständig, und Wartung übernehmen wir für das, was wir selbst eingebaut haben.
Wohnung oder ganzes Haus, und wie viele Geräte hängen?
Sagen Sie uns, ob es um eine Wohnung oder um das ganze Haus geht, wie viele Geräte hängen und in welcher Straße es steht, dann klären wir am Telefon, ob Fernwärme oder Gas im Haus überhaupt eine Rolle spielen: 030 2192 8018, Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr. Wer das Typenschild schon abgelesen hat, schreibt Hersteller, Typ und Baujahr ins Formular unten auf der Seite, dann ist die Asbestfrage meist vorab geklärt.
